Forschungsgruppe HIVE

Nachdem sich einige von euch im Forum fragen, was es wohl mit der Forschungsgruppe HIVE auf sich hat, dachte ich mir: Geb ich doch mal einen kleinen Einblick. Hier also ein paar Rohtexte frisch von der Festplatte:


Forschungsgruppe HIVE
Willkommen in der Historie der Spitalier! Betrachten Sie es ruhig von allen Seiten, dieses Fossil aus den Anfangstagen des Spitals. Es ist verknöchert, und es aufzusägen und hineinzuschauen hat noch niemand so recht gewagt, aber was soll's: Die Merkmale eines Fossils sind, dass es lebendig war in einer anderen, längst verstaubten Zeit - und jetzt tot ist. HIVE: Der Schrecken des Urvolks und der Jahre nach dem Eshaton; eine Seuche, die die Ärzte damals zwang, die Tore vor den Kranken zu verschließen. Ein Trauma. Seitdem ist die HIVE-Forschung in den Statuten des Spitals verankert.

Der letzte dokumentierte HIVE-Fall liegt über 400 Jahre zurück. Gewebeproben des Opfers werden eingegossen in Harz in einem Hochsicherheitslabor der Forschungsgruppe aufbewahrt. Zutritt haben die Petrova und ein von ihr erwählter Stab, doch selbst sie dürfen die Proben nicht aus den Räumen entfernen. Man sollte meinen, dass HIVE keine Gefahr mehr darstellt und somit der Geschichte angehört. Genau das ist die Meinung der anderen Konsultanten. Der Forschungsgruppe werden seit jeher über 20 Prozent der Ressourcen zur Verfügung gestellt, was durchaus Sinn machte, als HIVE die hauptsächliche Bedrohung war. Aber die Lage hat sich nun mal geändert.

Es bedürfte eines einstimmigen Beschlusses, um die Statuten umzuschreiben, aber die Petrova lässt nicht mit sich diskutieren: Die Forschungsgruppe HIVE bleibt bestehen.


Die Statuten und die FG HIVE
Zwanzig Prozent aus dem Wechseltopf des Spitals sind weit mehr als alles, was die anderen Forschungsgruppen für sich erträumen, und doch kann man es nur als nette Beigabe sehen, wenn man auch die letzten Paragraphen in den Statuten kennt. Denn sollte die Seuche erneut auftreten, sind alle anderen Forschungszweige sofort zu kappen. Das ganze Spital wird umgebaut zu einem Werkzeug gegen HIVE, mit dem Konsultanten der Forschungsgruppe als zeitlich begrenztem Anführer.


HIVE und die Hippokraten
Die HIVE-Forschung läuft weiter, sagt die Petrova, nur kann die Konsultantin keine Ergebnisse vorweisen. Ihren Vorgängerinnen erging es nicht anders. Angeblich suchen hunderte Spitalier von der Eisbarriere bis hinab zur Mittelmeerküste nach Spuren der Seuche: Sie durchforsten Archive, befragen die Bevölkerung und exhumieren in zerfressenes Tuch eingehüllte Knochen von angeblichen Opfern.

Eine Gruppe innerhalb der Ärztezunft, mit unerhört hohen Zuwendungen, ohne sichtbares Ziel, die aber Hundertschaft um Hundertschaft auf der Weltkarte verschiebt (also IRGENDETWAS tut), ohne dass das Spital in ihre Pläne einbezogen wird - das verursacht dieses unangenehme Kribbeln im Nacken der Führungsriege. Im Jahre 2240 gründet diese die Hippokraten, um die Forschungsgruppe HIVE zu überwachen, und legt einen Teil ihrer Macht in deren Hände.

Das Ergebnis: Die Hippokraten haben inzwischen alle Verbindlichkeiten abgeschüttelt und sich zur moralischen Instanz des Spitals aufgeschwungen, und die FG HIVE hat sich eingekapselt. Erkenntnisse? Die Forschungsgruppe hält sich an die Statuten (nun, sie ist ein Teil davon), die Ethik-Kommission konnte keine Verstöße feststellen (allerdings sehr wohl in den Forschungsgruppen Primer und Epigenetik), und sie beteiligt sich an interdisziplinären Aufgaben.


Bereit sein
Die Forschungsgruppe bewahrt die Forschungsergebnisse der letzten 500 Jahre, gruppiert und katalogisiert sie, fertigt Kopien an, sendet Brandbriefe an die Hippokraten, dass die jungen Ärzte die Seuche längst nicht mehr ernst nehmen.

Die Quarantänestation im Westflügel gehört zu der FG (seit über vier Jahrhunderten hat sie niemand außerhalb der Forschungsgruppe betreten), wie auch einige Bunker mit Gewebeproben im Cor. Alles Sperrgebiet. Für die Hippokraten zugänglich sind nur die Anzuchtställe. In ihnen warten transgene Pferde darauf, im Notfall mit HIVE infiziert zu werden. Die Tiere bilden daraufhin Antikörper, ohne selbst an der Seuche zu erkranken. Die Antikörper sollen dann aus dem Blut extrahiert und zu einem Heilserum aufbereitet werden. Ob es funktioniert? Das Verfahren konnte nie an Pferd und Mensch getestet werden, aber es geht auf urvölkische Ärzte zurück - auf die Gründer des Spitals. Bilden die Tiere wirklich die Antikörper oder sind ihre Gene im Laufe der Jahrhunderte verwässert? Tatsächlich mussten vor dreißig Jahren zehn Pferde hinzugekauft werden, nachdem einige der Tiere aufgrund von Inzest zeugungsunfähig waren. Jetzt regelt ein exakter Zuchtplan den Erhalt und die Genhygiene der Population. Aber selbst wenn die eingeschossenen menschlichen Gene verlorengegangen sind, so ist die Forschungsgruppe nicht machtlos. In den Kühllagern warten noch über einhundert Injektoren, alle geladen mit einem Retrovirus, der die Fremdgene in Gewebe einschleusen kann. Auf diese Weise transfizierte Lebewesen geben die DNA allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an ihre Nachkommen weiter - dazu kommt, dass die genauen Aus- und Nebenwirkungen des Retrovirus nicht vollständig bekannt sind. Es bleibt ein Risiko, eines, das die Ärzte nicht einmal benennen können. Daher arbeiten sie vorrangig daran, das Fremdgen in befruchtete Eizellen einzufügen, und diese dann den Tieren zu implantieren. Gelingt die Geburt (selten), tragen die Fohlen meist das gewünschte Gen in sich. Fehlzüchtungen werden den Richter als Geschenk übergeben oder den Epigenetikern als Versuchstiere zur Verfügung gestellt.