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Klaus Scherwinski: Spitalier-Kastenwagen
Puh, dieses Spitalier-Kastenwagen klingt ziemlich öde. Wie kann ein brotkastenähnlicher Minivan, der kein A-Team-mäßiger Angriffswagen wird, in der Degenesis-Welt einen Akzent setzen? Das ist eine Herausforderung, der wir uns gern stellen.
Schon bei der ersten Konzeption der Kultbücherreihe waren wir uns einig, dass jedem Kult mindestens ein Signature-Fahrzeug gebührt. Dabei musste beachtet werden, dass nicht einfach nur irgendein über-krasses Endzeitgefährt dargestellt wird, sondern ein Fahrzeug, das möglichst gut die Eigenschaften des Kultes widerspiegelt. Beim Kom-Buggy der Geissler war das die interessante Mischung aus afrikanischen Stammeszeichen und Technologie. Beim Kastenwagen der Spitalier musste die klare Linienführung im Design herausgestellt werden. Eine gewisse Coolheit, die aber nicht durch übermäßige Bewaffnung oder Panzerung erreicht wird. Ausgangspunkt war ein Design aus den letzten Jahren vor dem Eshaton. Ein leichter Geldtransporter, Kleinbus für Paketzustellung oder City-Krankenwagen - es sollte ein Nutzfahrzeug sein, variabel auszurüsten und einzusetzen.
Inspiriert durch einen niedlichen roten Kastenwagen, geparkt vor meinem Bürofenster hier in Bielefeld, gab ich meinem Entwurf eine ansprechende Front, inklusive der invertiert aufgehängten Fahrertür und kantig abgeschrägten Kabine. Auch die Fenster im Heck und die wellengeriffelte Beschaffenheit der Tür stammen von dem günstig in meinem Sichtbereich geparkten Citroen HY Van, den es anscheinend in endlos vielen Variationen gibt.
Christan Günther schlug vor, dass im Bedarfsfall Spitalier aufspringen können, daher die ausklappbaren Trittbretter im hinteren Bereich. Die seitlichen Haltebänder wurden dann so entworfen, dass man auch Arbeitsgerät einhängen kann (wie z.B. den allgegenwärtigen Spreizer). Alles möglichst variabel und großzügig. Durch längere und noch stärkere Bänder könnte man so auch ein kleines Schlauchboot oder Leitern an der Seite des Wagens transportieren. Der Schlot, der direkt hinter der Fahrerkabine entlang geführt wird, sichert, dass der Wagen ohne Motorprobleme durch tieferes Wasser fahren kann, ohne dass er gleich ein Schwimmwagen ist. Die Fahrerkabine ist luftdicht und wird von oben mit gefilterter Atemluft versorgt, daneben, hier nicht sichtbar, ist eine Dach-Ausstiegsluke. Die Handschleuse in der Tür sorgt für Sicherheit, um kleine Objekte mit der (versporten?) Außenwelt auszutauschen.
Am oberen Heck des Wagens ist ein Spot angebracht, der den Eingangsbereich besser ausleuchtet, falls man zu Nachtzeiten einen Krankentransport durchführt. Das festgeschnallte Paket oben auf dem Fahrzeug ist übrigens ein Dekontaminationszelt, das Gestänge dafür wird meist auf dem Dach mitgeführt.
Okay, ich denke diese Kommentare verdeutlichen, wie ernst wir den funktionalen Aspekt unserer Illustrationen nehmen. Eine Illustration, viel Denkarbeit. Kein Wunder, dass wir öfters hinter unserem Veröffentlichungsplan hinterherhinken. Ich hoffe, dies erleichtert das Warten ein wenig.
Die fertig gezeichnete Version des Kastenwagens sieht man dann im Kultbuch: Spitalier!
Klaus Scherwinski, 11.02.2007
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