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Christian Günther: Danzig Teil 1
Da ist diese Stadt im Eis, Danzig; wie ein Felsen ragt sie aus dem Schneechaos, unbeirrt. Denn sie weiß genau, dass nach dem Winter der Sommer kommen und ihr den Raureif von den Mauern schmelzen wird. Doch was ist, wenn die kalten Tage bis weit hinein in den Frühling reichen und sich aufmachen, die warmen Tage ganz zu vertreiben?
Als wir 2003 am Grundregelwerk gearbeitet haben, war Danzig nur eine Idee, die sich in wenige Zeilen hätte pressen lassen können. Aber schon damals stand fest, dass diese Stadt eine Handvoll Probleme bekommen würde. Einmal durch die vorrückende Eisbarriere, eigensinnige Spitalier, Spaltenbestien und etwas… anderes.
Ich setzte zwei Doppelseiten Text für das Danzig-Kapitel an, machte mir eine Liste, was alles reinkommen sollte: Eine Beschreibung der Stadt (die ja größtenteils unbewohnt ist), des Danziger Spitals und der Wiedertäufer-Enklave, das ganze garniert mit Infos über die Lebensweise, die Sippen, Interaktion mit den Einheimischen, Missionen…
Okay.
Ich dachte mir, "mann, da brauchen wir mindestens noch eine Illu, um die Seiten vollzubekommen".
Inzwischen bin ich bei 18 Word-Seiten, oder um bei der gerade verwendeten Maßeinheit zu bleiben: bei acht bis neun Doppelseiten. Und verdammt, ein Ende ist nicht in Sicht. Ich werde mich dazu zwingen müssen.
Es ist faszinierend. Aus der Ferne betrachtet war Danzig ein bewohnter Haufen Steine, mit einigen Eigenheiten zwar, aber letztlich nur eine Stadt. Aber wenn du die Menschen darin kennen lernst, erfährst wie sie ticken, was sie dazu bewegt, Danzig zu hassen oder zu lieben, wächst sie weit über sich hinaus. Wird zu einem Ort, den man mag, weil er irgendwie für die Tage, an denen man über ihn geschrieben hat, zu einer Heimat geworden ist. Die Menschen in Danzig stehen einem in den Momenten, in denen man sich in ihre Seelenwelt ablässt, so nahe wie gute Freunde. Da wäre Raimond Ushland, der Obmann des Danziger Kommandos (bekannt aus den Feldberichten); er riecht die Veränderung, fühlt sich benebelt und spürt, dass seine Sinne abstumpfen, die ihn ein Leben lang beschützt haben. Aber er weiß auch, dass er sie bald nicht mehr benötigen wird, denn was auch immer sich über oder unter Danzig zusammenbraut, wird bald offensichtlich. Oder Dr. Hansen, der mit seinem Punktesystem das Leben in der Stadt einfach und übersichtlich gestaltet hatte, aber an einer Blutvergiftung starb, weil er seine erfrorenen Zehen nicht amputieren lassen wollte. Dann die Konsultantin Dr. Janssen: Danzig wurde längst vom Konsultanten-Gremium aufgegeben, doch die Janssen ignoriert den Rückzugsbefehl, entsendet weiter Expeditionen nach Pandora.
Und auf einmal wird Danzig zum Prüfstein für die Ärzteschaft: Wird das Gremium den Hippokraten größere Befugnisse einräumen? Oder besser: aufzwingen? Denn noch stemmen sich die Hippokraten gegen eine Änderung der Statuten, noch sehen sie sich als Kontrollinstanz und nicht als Geheimpolizei.
Tja, vielleicht sind die 18 Seiten doch gerechtfertigt. Vielleicht werden's auch 20 oder 22. Schließlich hab ich die Hotspots noch vergessen, diese Stellen, an denen innerhalb von Minuten kreisförmig der Schnee wegschmilzt, und dann muss ich auch schreiben, welche Riten sich daraus für die Sipplinge ergeben…
Einigen wir uns auf 22 Seiten.
Heute werden wir den ersten Teil von Danzig als PDF-Preview online stellen, und jede Woche einen weiteren Teil hinzufügen. Ich bin auf die Reaktionen gespannt.
Hier geht's zum Preview: KLICK
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