Marko Djurdjevic, 19.09.03
Als Chris mich im März 2003 in Berlin besuchte, war die Entwicklung von Degenesis ins Stocken geraten. Die vorangegangen 12-14 Monate waren ein reines Brainstorming gewesen, die Unzahl an Ideen, die uns im Kopf herumschwirrten, waren niedergeschrieben, doch niemand hatte sich die Mühe gemacht sie zu verknüpfen. Lose Brocken kostbarer Konzepte lagen verstreut vor uns.

Mich hatte das Gestalten von Rollenspielen schon immer gereizt. Kein Medium, sei es Comic, Buch oder Film verlangt einem Entwickler mehr Logistik und Kombinationsvermögen ab, um dem Leser ein AHA-Erlebnis zu vermitteln. Es gilt schließlich eine Welt bis ins kleinste Detail zu gestalten, nur um am Ende wieder kürzen zu müssen, um den Rahmen des Regelwerkes nicht zu sprengen.

Ich versuchte mich darauf zu konzentrieren, was ein "gutes" Rollenspiel für mich ausmacht. Will man heute ein neues Rollenspiel auf den Markt bringen und damit nicht gnadenlos zu Grunde gehen, erkannte ich, das man seine Herangehensweise an die eigenen Ideen verändern musste. Bei den vielen neuen Entwicklungen auf dem Markt war mir aufgefallen, dass die Autoren jener Produkte stets die Elemente in den Vordergrund stellten, die ihnen aus anderen Rollenspielen besonders gut gefielen. Ich will hier niemandem Vorwürfe machen, Inspiration ist letztendlich nichts weiter als die Neukonstruktion bereits bewährter Konzepte. Bei Degenesis wollte ich jedoch einen umgekehrten Versuch starten. Statt die Dinge in ein neues Spiel zu integrieren, die mir ohnehin gut gefielen, beschränkte ich mich auf Themen und Ansätze, von denen ich glaubte sie seien bei anderen Spielen zu schlecht beleuchtet oder gar zu kurz gekommen. Aus unkonventionellen, unverbrauchten oder gar langweiligen Elementen etwas Neues und Spannendes zu schaffen, darin bestand der Reiz.

Heute, kurz vor Fertigstellung des Buches samt seiner Spielwelt, blicke ich auf ein Meer aus waghalsigen und mutigen Ideen zurück, die Degenesis zu etwas Besonderem machen. Aus jedem Strang lassen sich Kampagnen und Spielabende für Jahre füllen. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt und nicht einmal mussten wir uns dazu auf ausgetretene Pfade begeben oder das Klischee bedienen. Chris schreibt in diesem Moment die letzten Fülltexte, während Klaus und ich damit beschäftigt sind, an den letzten Ecken des Buches Bilder zu pflanzen. Doch je näher wir der Fertigstellung rücken, desto mehr ergreift mich das Fieber, gemeinsam mit Chris die Entwicklung des nächsten Buches in Angriff zu nehmen.

Marko Djurdjevic
Koblenz, den 19.09.03